AMC Roth e. V.
AMC Roth e. V.

AMC Kalender

Februar 2018
Mo Di Mi Do Fr Sa So
29 30 31 1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 1 2 3 4
Den Vater zum Wahnsinn überredet

Michl u Lukas Krauss Erzberg2015Michael und Lukas Krauß aus Hilpoltstein beim Erzbergrodeo in Österreich dabei—Zuschauer stirbt

VON MARCEL STAUDT
Das wahrscheinlich härteste Enduro-Rennen der Welt, das Erzbergrodeo, zog wieder Motorradfahrer aus der ganzen Welt nach Österreich. Mit dabei waren auch Michael und Lukas Krauß aus Hilpoltstein. Während der Vater zum Zuschauen verdammt war, schied der Sohn früher aus als im vergangenen Jahr. Zufrieden war er trotzdem — weil diese Auflage unter ganz anderen Bedingungen stattfand.

HILPOLTSTEIN — Über Monate gab es Diskussionen im Hause Krauß.Sohn Lukas wollte, dass sein Vater Michael diesen Wahnsinn einmal selbst erlebt. Einmal Erzbergrodeo, einmal Auffahrten mit 85 Prozent Steigung, Bäche mit glitschigen Steinen, enge Wald- und unbarmherzige Felspassagen. „Man muss vor dem Rennen einen gesunden Respekt haben. Wer aber Angst hat, sollte nicht mitfahren“, sagt Michael Kraus. Nach Monaten sagte er doch noch zu — dabei hatte er den Wahnsinn im Vorjahr schon aus nächster Nähe beobachtet. Der 51-Jährige begleitete seinen Sohn als Helfer zum österreichischen Erzberg. Er sah zu, wie Lukas Krauß auf der 30 Kilomter langen Strecke gerade noch das Gleichgewicht halten konnte. Er half, die Maschine zu schieben, wo es ohne Hilfe einfach nicht  mehr ging. Der 21-Jährige wurde 390. von 1500 Startern. In vier Stunden Fahrzeit schaffte er es immerhin bis zum fünften von 22 Checkpoints — und dieses Jahr sollte es noch einmal härter werden.

Des Teufels Küche
„2014 kamen 31 Starter ins Ziel. Die Veranstalter meinten, das sind ihnen 30 zu viel“, sagt Lukas Krauß. Also wurde der Kurs noch einmal modifiziert, die Checkpoints trugen so hübsche Namen wie „Killing Leap“ (tödlicher Sprung) oder „Devil‘s Kitchen“ (des Teufels Küche). Um am Hauptrennen überhaupt teilnehmen zu dürfen, mussten Krauß Senior und Junior in den beiden Prolog-Rennen unter 1850 Startern zu den schnellsten 500 gehören. Es galt auf einer 13 Kilometer langen sowie 30 Meter breiten Schotterpiste mit bis zu 180 Kilometern pro Stunde entlang zu brettern — und dabei bloß nicht nach unten zu schauen: Links und rechts ging es 50 Meter in die Tiefe. Lukas Krauß schaffte es auf Platz 392 und durfte somit am Hauptrennen teilnehmen, Michael Krauß wurde 675. und war dadurch zum Zuschauen und Helfen verdammt. Besonders Zweiteres war wichtig, manche Streckenabschnitte waren ohne fremdes Zutun einfach nicht machbar. Der Vater und zehn weitere Helfer — Freunde und Familie des Sohnes — schoben selbst mit an oder zogen an manchen Stellen mit einem Seil, damit es überhaupt voran ging. Zwei Mal schmiss es Lukas Krauß über den Lenker vom Motorrad, er schaffte es immerhin in vier Stunden Rennzeit bis zum vierten Checkpoint und wurde 360. Sein Ziel, weiterzukommen als im Jahr davor, hatte er verfehlt. Aber: „Ich bin zufrieden, weil ich eine bessere Platzierung geschafft habe und der Kurs deutlich Erzberg1schwerer war.“ So schwer, dass lediglich fünf Fahrer ins Ziel kamen — obwohl der Veranstalter dann doch vier Checkpoints gestrichen hatte. „Sonst hätte es niemand geschafft“, glaubt Lukas Krauß. Und die fünf Starter hätten sich gegenseitig auf den letzten Etappen geholfen, deswegen seien sie auch gemeinsam ins Ziel gekommen. Überschattet wurde die Veranstaltung vom Tod eines Zuschauers. In der Nähe einer der steilsten Streckenabschnitte löste sich ein Fels und fiel einem Fan aus Ungarn auf den Kopf. Eine Stunde lang versuchten Rettungskräfte den Mann zu retten. Ohne Erfolg.  Vater und Sohn Krauß haben erst einmal genug vom Wahnsinn. Lukas Krauß: „Vielleicht fahren  wir noch einmal mit. Aber nächstes Jahr nicht. Es reicht jetzt wirklich.“

Quelle: Roth Hilpolsteiner Volkszeitung von Dienstag dem 09.06.2015